Warum hast du eigentlich keine „Nemos“?

Als Aquarist werde ich oft gefragt, warum ich eigentlich keine „Nemos“ habe. Aber endlich ist es so weit:

Ein Plüsch-Anemonenfisch durch ein Süßwasseraquarium fotografiert.

Damit hat sicherlich niemand gerechnet: Anemonenfische lassen sich auch in Süßwasseraquarien halten.

Neue Fische richtig einsetzen

Wiessen Sie, was ein Klimaschock ist? Sie kennen das vielleicht, wenn Sie auf Reisen sind und sich am neuen Ort einen Tag lang nicht wohl wühlen. Grund sind die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen. Bei Fischen, die umziehen, ist das ähnlich – nur reagieren sie unter Umständen etwas empfindlicher, weil hier mehr Faktoren eine Rolle beim Wohlbefinden spielen.

Damit Fische, die vom Händler ins neue Aquarium kommen, einen nicht ganz so anstrengenden Umzug erfahren, gebe ich hier ein paar Tipps, wie Sie die neuen Bewohner am besten ans neue Zuhause gewöhnen können.

Licht aus — Stress vermeiden

Schalten Sie die Beleuchtung über dem Aquarium ein, sofern möglich und Sie so arbeiten können. Bei Dunkelheit verhalten sich die meisten Fische ruhig. Die Vermeidung von Stress hat jetzt Priorität.

Temperatur angleichen

Wichtigster Klimafaktor ist im Moment die Temperatur. Durch den Transport hat das Wasser im Beutel oder im Eimer an Wärme verloren. Die muss jetzt langsam wieder zugeführt werden. Wenn Sie Ihre Fische im Beutel bekommen haben, lassen Sie diesen für 10 bis 15 Minuten im Aquariumwasser schwimmen — öffnen Sie ihn aber noch nicht.

Wasserwerte anpassen

Ist die Temperatur allmählich angeglichen, können Sie damit beginnen, nach und nach Wasser aus dem Aquarium in den Beutel zu schütten. Schütten Sie beispielsweise alle fünf Minuten einen Becher Aquariumwasser in den Beutel, damit sich die Wasserwerte allmählich angleichen. Wird der Beutel zu voll, schöpfen Sie Wasser von dort ab und entsorgen es. Das Transportwasser aus dem Beutel gehört nicht ins Aquarium!

Einige empfindlichere Arten erfordern eine längere Eingewöhnungszeit. Lesen Sie hierzu den Abschnitt „Große Fische, empfindliche Arten und Präventivquarantäne“.

Für das Anpassen der Wasserwerte sollten Sie sich eine halbe Stunde Zeit nehmen, mehr schadet auch nicht.

Wenn Sie einen Großteil des Transportwassers entsorgt und den Beutel mit Aquariumwasser befüllt haben, können Sie die Fische umsetzen. Verwenden Sie hierzu ein Fangnetz, um die Fische aus dem Beutel zu holen. Ziel ist es, kein Transportwasser ins Becken zu schleppen, weil man sich nicht sicher sein kann, welche Erreger es enthält.

Nach dem Einsetzen

Sind die neuen Bewohner angekommen, lassen Sie das Licht am besten noch eine Stunde ausgeschaltet. Wenn es den Neulingen gut geht, werden Sie beobachten können, dass sie schnell Anschluss an bestehende Schwärme finden.

Füttern Sie für den Rest des Tages nicht mehr. Die Fütterung versetzt eingesessene Fische in den Jagdmodus und das setzt die neuen Fische unnötig unter Druck. Ihre Fische können problemlos einen Tag ohne Futter auskommen.

Große Fische, empfindliche Arten und Präventivquarantäne: die Wartebecken-Methode

Diese Methode ist besonders für größere Fische geeignet, die erstens nicht in Beuteln daherkommen und zweitens, weil ein der Umgang mit einem Fangnetz in einem im Aquarium schwimmenden Eimer relativ kompliziert ist. Zudem ist die Methode für empfindliche Arten wie einige Loricariidae hervorragend geeignet. Wer außerdem sicher sein möchte, dass die neuen Fische gesund sind, der kann sie so ein paar Tage in Quarantäne nehmen und beobachten.

Technik und Material

Alles was Sie brauchen, ist ein kleines Aquarium (40 bis 60 Liter, je nach Größe der Fische und Transportbehälter), ein passender Heizer und die Belüftung. Fast immer kann man die vorhandene Luftpumpe per Y-Leitung anzapfen und zwei Becken versorgen. Ein Filter ist für die kurze Aufenthaltsdauer nicht unbedingt notwendig, sondern eher Luxus.

Vorgehensweise

Befüllen Sie das kleine Aquarium zur Hälfte mit Wasser aus dem großen Becken und halten Sie es auf Temperatur. Lassen Sie die Behältnisse (Tüten oder Eimer) im Wasser schwimmen, und beginnen Sie allmählich, nach und nach Wasser in den Behälter nachzufüllen, damit sich die Fische daran gewöhnen.

Wenn die Fische bereit sind, können Sie sie entweder aus dem Transportbehälter ins Becken schwimmen lassen oder mit einem Fangnetz rausfischen. Da bei dieser Methode die Fische später mit dem Netz ins eigentliche Aquarium gesetzt werden, spielt es keine Rolle, ob Transportwasser in dieses „Wartebecken“ gelangt.

Quarantänemöglichkeiten nutzen

Ihre Fische haben jetzt viel Zeit und vor allem Platz, um sich an das neue Wasser zu gewöhnen. Sie können Ihre Fische sogar ein paar Tage im Quarantänebecken lassen, um sie hinsichtlich ihrer Gesundheit zu beobachten, denn dem Ausbruch einer Krankheit im Aquarium geht oft das Einsetzen neuer Fische vorweg.

Die „Wartebecken“-Methode ist meine bevorzugte Technik, neue Fische ins Aquarium einzusetzen. Sie ist in der Umsetzung etwas aufwendiger, belohnt jedoch durch ein weniger kompliziertes Einsetzen der Fische ins Aquariumwasser, an welches sie ja bereits zuvor gewöhnt wurden.